29.05.15 - Big Spring, TX > Lovington, NM (452 Meilen)

Trotz gedämpfter Wettervorhersagen hat sich der Tag als Highlight entpuppt.

Am Morgen ging es eine Runde durch den Big Spring State Park. Dieser befindet sich auf einem kleinen Tafelberg, von dem man die flache Gegend rundum schön überschauen kann. Aber auch Naturinteressierte kommen auf ihre Kosten:

Danach ging es im Texas-Panhandle Richtung Norden, wo gegen Abend Gewitter von Neu Mexico reinziehen sollten. Typisch für die Gegend sind endlose, rote Felder ohne Bewuchs (zumindest immer wenn wir da sind...) und in regelmäßigen Abständen Ölpumpen:

Bei Colvis, NM angekommen, waren die Gewitter bereits im Nordwesten entstanden. Hier eine der Zellen - laut Radar hat die Zelle zu dem Zeitpunkt nur etwas Regen produziert, da sie noch nicht in die feuchte Grundschicht südöstlich vorgedrungen war.

Der Zelle im letztes Bild sind wir etwas entgegen gefahren, als im sich Westen eine Zelle verstärkte, also Kehrtwendung und ran. Man sah von der neuen Zelle bis dato nicht viel, da die Sonne blendete - aber kaum im Schatten war klar, "hier bleiben wir dran".

Die Scherung war eindeutig stärker als voraus gesagt. Bereits hatte sich eine ansehnliche Superzelle gebildet.

Und was ist das? Ein Funnel? Ja, ist ja verrückt!


Ob das ein nur Scherungsfunnel war oder tatsächlich an die Mesozyklone darüber gekoppelt war, konnten wir vom Standpunkt nicht ausmachen.

Es folgte ein kräftiger Downburst, also eine abruptes Auswerfen von Wind und Regen aus der Wolke:

Dieser Downburst zwingt die vor ihm liegende Warmluft in die Höhe:

Zeitraffer der Zelle bis dato:
Wir sind dann noch paar Meilen der Zelle nach Süden gefolgt. Schöne Trennung von Auf- und Abwind:

Der ganze Himmel war in Bewegung, die Bilder zeigen das nur schwer - im folgenden Bild hat jeder der größeren Zipfel für sich rotiert:

Die Fahrt wurde nun etwas erschwert, als plötzlich Unmengen Tumbleweeds, also diese rollenden Präriebüsche die Straße überquerten, ohne nach rechts und links zu schauen...

Paar Minuten später kamen die übrigens wieder zurück, als ein neues Gewitter östlich von uns das Geschehen übernahm und seinerseits Winde in die andere Richtung aussandte...

Da ist der Grund für diesen Windumschwung. Direkt südöstlich von uns hatte sich eine neue Superzelle gebildet.

Diese zog langsam nach Süd und wir haben die Zelle auf der Westseite flankiert. Dabei kam mehr und mehr Sonne im Rücken herein und alles wurde zunehmend bunter:

Richtung Südwest wurden die Mammatus auch immer bunter, den Sturmjäger freut es:

Ein Blitz entzündete ein Öllager. Der Qualm wurde gleich mit in die Quellwolken gezogen, sozusagen als Ausgangspunkt für schwarzen Hagel.

Die verfolgte Zelle hatte mittlerweile eine Tornadowarnung, da laut Radar bodennah viel Rotation drin war. Auch visuell konnten wir das bestätigen und haben die Basis permanent nach Funnels abgesucht. Bevor sich die Zelle aber komplett einrollen konnte und den wahrscheinlichsten Zustand für Tornadoentstehung erreichen konnte, lief eine andere Gewitter seitlich in den Aufwind hinein. Etwas enttäuscht ging es daher ans Regenbogen-fotografieren... Aber dann! Die hereingelaufene Zelle hat wohl noch das Fünkchen Scherung am Boden hinzugebracht, dass es doch noch gereicht hat!

Regenbogen Deluxe:

Wir waren eigentlich viel näher, das Super-Weitwinkel täuscht die Entfernung nur vor, so sah das schon eher aus:

Ach jaaa...

Dann zog der Regenvorhang zu und wir haben versucht, zu folgen. Der Tornado blieb mindestens 10min am Boden und wir haben ihn im Niederschlag verfolgt. Als der Hagel zu stark wurde und das Auto Reifendruckverlust meldete hieß es erst mal anhalten. Auwei... aber dank dem mitgenommenen Druckprüfer hat sich gezeigt, dass kein akuter Plattfuß droht und es ging ins nächste Motel.

Unterwegs sind wir an der Stelle der schwarzen Rauchsäule von vorhin vorbeigekommen. Sah ganz schön wüst dort aus, da gab es vermutl. sogar eine Explosion.

Das ist und bleibt ein Gewitterwunderland hier...