04.06.15 - Wheatland, WY > Colby, KS (555 Meilen)

Wir konnten eine hübsche, tornadobewarnte Superzelle am Abend finden.

Die Anfahrt war heut mit 400 Meilen ein ordentliches Stück und im Nachhinein wäre Colorado besser gewesen, aber die Werte in Nordkansas haben einfach zu sehr gelockt...

Auf dem Weg durch die feuchten Luftmassen in Nebraska war es Großteils bewölkt bei 20°C. Das fühlte sich nicht nach Unwetter an, also ging es südlicher.

Praktisch mit Überquerung der Grenze zu Kansas kam die Sonne raus und es wurde drückend warm.

Erste Initiationsversuche wurden nichts und die Zeit verstrich. Zwar war der Deckel nahezu weg, aber es gab keinen Hebungsantrieb, der die Gewitter hier auslöste.

So etwa sieht es aus, wenn ein kleines Luftpaket bei MLCAPEs von 4000 J/Kg den Deckel überwindet und nach oben schießt. Man denke sich diesen Aufwind kontinuierlich und im Querschnitt mit 50 multipliziert... dann wundert man sich nicht mehr, wie Hagel > 10cm entstehen kann...

Eine hauchzart ausgeprägte Dryline hat dann paar Meilen westlich von uns doch mal eine größere Quellung auf den Weg geschickt.

Eine Quellung weiter südlich war da schon wesentlich weiter:

Kaum 15 min später war unser Wölkchen bereits von null auf Rotation gegangen, hat einen weiteres Stockwerk unter die Wolkenbasis gesetzt und war somit "Surface Based" geworden. Erstaunlich, wie stark der Sog unter der Wolke wird, wenn das erst mal rotiert.

Sah beindruckend aus und war vom Radarbild her eher eine klassische Superzelle, aber rein visuell dann doch eher LP, also wenig Niederschlag.

Der relativ schmale Wolkenturm sieht visuell eigentlich harmlos aus, aber die Zelle war bereits auf Tennisballhagel und Tornado bewarnt.

Das Ultraweitwinkel bringt zwar das ganze Gewitter auf das Bild, allerdings kann man dann schlecht die tatsächliche Größe der Gewitterzelle nahebringen. Mit dem Auge beobachtet sieht es etwa wie folgt aus, ein möglicher Tornado würde etwa leicht links der Bildmitte erscheinen:

Dank Weitwinkel noch Mal im Panorama, auch wenn wir praktisch schon drunter standen:

Allerdings heißt Tornadowarnung auch, dass der Abwind den Aufwind bereits nahezu umrollt hat. Und wegen den heutigen nicht optimalen Scherungswerten haben die Zellen dies meist nicht überlebt und damit war es das mit dem Gewitter. Der Outflow hat dann neue 1-Phasen Superzellen dieser Art in der Gegend gezündet. Hier eine Zelle, die sich gerade teilt:

Nach einem kurzen Abstecher auf seifenglatte Mudroads haben wir in der Zugbahn der Zelle noch 4cm-Hagelsteine finden können. Der bewarnte Tennisball-Hagel wird abseits der Straße realistisch gewesen sein.

Nach Einbruch der Dunkelheit flackerten die Zellen noch Stunden stroboskopartig am Nachthimmel.


War nett anzusehen heut, morgen geht es nach Nordost-Colorado, vielleicht klappt es nochmal mit einem Tornado.