Stormchase USA 2016 - Technikecke

Für Neugierige oder als Anregung für die, die sich selbst mal versuchen wollen, nachfolgend ein paar Worte zur Ausrüstung. Zusätzlich zu den reinen Gerätebeschreibung sind die Erfahrungswerte der letzten Jahre eingearbeitet.



Internetzugang

Nach gemischten Erfahrungen mit USB-Modems haben wir 2014 das erste Mal einen 4G-WLAN-Hotspot im Einsatz und waren sehr zufrieden. 2016 kommt ein Leihgerät "Novatel MiFi 4620L" zum Einsatz, welches wir über daypasswireless.com beziehen.

Mit einem ähnlichen Gerät waren wir 2015 auch ohne Verstärker mehr als 90% der Zeit mit Signal versorgt. Nur im Big-Bend Area und einigen Colorado/Wyoming Ecken war Funkstille. Aber insgesamt und im Vergleich zu unseren ersten Touren ist das Funknetz mittlerweile sehr gut ausgebaut.



Sonstige Gerätschaften

Ein paar Worte zu den kleinen elektronischen Helferlein auf so einer Tour:

Für die Navigation kommt ein TomTom-910 mit USA-Karten zum Einsatz. Das Navi ist einfach ein super durchdachtes Gerät und überzeugt nun im 10. Jahr. Geniales Teil.

Vor allem die Fernbedienung ist super, vor allem, wenn man wie bei uns, die Route häufig ändern muss. Ohne Fernbedienung und auf holpriger Straße ist das ja schon Artistik mit Gefährdung für den Straßenverkehr. Mit der Fernbedienung kann man nach etwas Eingewöhnung die meisten Befehle ohne Sichtkontakt eingeben! Die Fernbedienung läuft übrigens über Funk, kann also selbst aus der Jackentasche bedient werden, wenn es mal kalt ist. ;-)

Der GPS-Empfänger Bluemax GPS-4044 dient zur GPS-Positionsaufnahme für den Laptop. Das kabellose Gerät war 2012 das erste Mal im Einsatz und hat getan, was es sollte. Der Akku kann einfach über USB geladen werden, hält aber auch ohne erstaunlich lang - im Normalfall einen ganzen Chase-Tag durch.

Das Wetterradio Oregon WR602 empfängt lokale Wetterinformationen und Warnungen. Durch die mittlerweile verlässliche Internetversorgung ist es eigentlich obsolet und dient nur noch als Backup. Doch dieses Backup haben wir auch schon mal in einer brenzligen Situation gebraucht, also nicht unterschätzen!

Damit alle Geräte mit Spannung versorgt werden können, ist noch ein 12V-Verteiler mit von der Partie. Dieser hat sich seit 2012 bewährt.

Seit 2013 ist auch ein Luftdruckprüfer von SKS dabei. So was haben wir die Jahre davor bitter vermisst, da wir schon oft Probleme mit den Reifen der Mietwagen hatten. Z.B. 2015 kam prompt bei Verfolgung eines Tornados die Reifendrucklampe im Auto. Da war es nach Messung sehr beruhigend, zu wissen, dass die Lampe nur zufällig in dem Moment kam und es kein defekter Reifen war...

Eine Laptophalterung mit angepasster Schnellaufnahmeplatte hält den Laptop immer in Position. Ein sehr hilfreiches und nicht mehr zu missendes Utensil, welches uns von Tourbegleiter Jörg 2011 empfohlen wurde. Allerdings braucht man zur Montage je nach Mietwagen anderes Werkzeug und etwas Improvisation, um alles stabil hinzubekommen.



Die Leitzentrale

Die GPS- und Internetdaten laufen letztlich in GRLevel3 (V1.x) zusammen.

Diese Software bietet verschiedene Doppler-Radardaten mit Zelltracking und ist mit etwas Geschick über sogenannte Place- und Shapefiles mannigfaltig erweiterbar. Bei uns wird neben den Radardaten die eigene Position (aus dem GPS-Empfänger), ein detailliertes Straßennetz, das aktuelle Satellitenbild sowie SPC-Outlooks, -Warnungen, -Watches angezeigt.

Man kann praktisch jedes im Netz verfügbare Bild oder anderweitig strukturierte Information direkt einbinden. Dazu ein Beispiel:

Seit 2013 dabei ist ein selbst kreiertes Wetterkartentool, welches Vorhersage- und Analysekarten zentralisiert anzeigen kann und hat sich seither als sehr hilfreich erwiesen.

Neben reiner Kartendarstellung besteht unter anderem die Möglichkeit, Karten zu überlagern oder bestimmte Elemente raus zu filtern.

Die Darstellungen des Wetterkartentools können letztlich auch in GRLevel eingebunden werden. Dann sehen wir praktisch alle relevanten Daten auf einen Blick. Hier im Beispiel: SAT, Radar, Straßennetz, Position, MLCAPE/CIN, Shear und SPC Forecasts/Warnings.



Wettermesstechnik

Ursprünglich war mal ein Temperatur/Feuchtemessgerät im Einsatz. Da dies aber praktisch kaum einsetzbar war (man ist ja meist im Auto, nicht draußen) und der Nutzen auch so nur begrenzt, haben wir hier keine Messgeräte im Einsatz.

Obwohl... das ist auch eine Art von Messtechnik: Das Hagelmeter! ;-)



Kleinkram

Diese kleinen Helferlein sind richtig nützlich, werden aber sonst kaum erwähnt.

Im Bild sind beispielhaft ein paar davon dargestellt: Klebebänder, Klettbänder, Kabelbinder u.ä. dienen der Technikinstallation im Auto. Im Motel sind Adapter für US-Steckdosen hilfreich - dies erfordert natürlich, dass die eigenen Geräte neben 230VAC auch 110VAC vertragen.



Spezial-Sonder-Hightech-Ausrüstung

Nachdem die Sonne die Lesbarkeit des Laptopdisplays jahrelang sabotiert hat, kam erstmals 2012 ein hochkomplexe Blendschutz zum Einsatz - das beste Ausrüstungsstück überhaupt. ;-)

Es handelt sich um eine aus Pappe, Klebeband, schwarzen Stoff und Küchengummis gefertigte Haube. Endlich perfekte Sicht auf das Laptopdisplay, egal, wo die Sonne steht.



Datenquellen

Bevor und während einer Sturmjagd werden so einige Wetterkarten studiert. Diese Daten samt Echtzeit-Beobachtung und Erfahrung bestimmen letztlich alle Entscheidungen vor und während der Jagd.

Das Interpretieren dieser Wetterkarten ist ein recht umfangreiches Thema, welches natürlich theoretische Vorarbeiten erfordert - es gibt da sehr schöne Bücher. Kommen dann noch ein paar praktische Erfahrungen dazu, kann man aus den Karten die Wetterverläufe ganz gut abschätzen. Dabei sollte man sich aber nie zu sehr auf die Karten verlassen und im Zweifel immer den Beobachtungen den Vorzug geben. Wenn man sich zu sehr auf die Karten fixiert, wird man manchmal ganz schön enttäuscht.

Nachfolgend ein paar Links aus unserer Sammlung:

www.spc.noaa.gov
www.nws.noaa.gov/radar_tab.php
http://www.wunderground.com/weather-radar/united-states/
aviationweather.gov/adds/satellite
weather.msfc.nasa.gov/GOES/goeseastconus.html
weather.cod.edu/forecast
weather.uwyo.edu/upperair/sounding.html
www.wetterzentrale.de/topkarten/fsavnnam.html
www.spc.noaa.gov/exper/compmap
www.nssl.noaa.gov/wrf
www.wetter24.de
www.twisterdata.com
ruc.noaa.gov/hrrr

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Foto/Video

Fototechnisch hat ja eh so jeder seine Vorlieben, sei es bei der Ausrüstung oder bei der Bearbeitung der Bilder. Da aber nun so einige Gewitterbilder hier präsentiert wurden, nachfolgend eine Übersicht, womit diese entstanden sind:

Kameras:
- Nikon D5200
- Nikon D7100

Objektive:
- 70-300mm, vor allem für die Tierwelt
- 16-85mm, für so ziemlich alles
- 10-20mm Superweitwinkel, genial zum Einfangen von Strukturen während man unter der Zelle steht
- 50mm/1.8 für nächtliche Blitzbilder
- 35mm/1.8 für etwa mehr Sichtfeld

Wichtig sind bei Wolkenfotografie vor allem Weitwinkelobjektive. Hier ein Beispiel dazu:

Das erste Bild zeigt eine Aufnahme mit Brennweite 50mm, also so, wie man es mit dem Auge sieht. Das 2. Bild ist mit 12mm Brennweite aufgenommen. Damit fängt man selbst dann noch das ganze Gewitter ein, wenn man schon nahezu drunter steht und die Hagelsteine im Anflug sieht...


Fazit: Mit den (Super-)Weitwinkelobjektiven bekommt man das Maximum an Gewitterstruktur ins Bild. Allerdings wirken die Bilder dann im Vergleich zum tatsächlichen Geschehen sehr distanziert und bringen den Ehrfurcht-einflößenden Charakter der riesigen rotierenden Superzellen kaum zur Geltung. Hier muss jeder für sich einen passenden Kompromis finden, ich selbst bin Fan der Weitwinkelfotografie.

Sonstiges:

- Stativ 150cm
- Ministativ 50cm
- Fensterklemmstativ
- Polfilter, Verlaufsfilter, Fernauslöser

Aufnahmetechnik:

- RAW-Format
- Entwicklung in entsprechender Software auf PC (Weißabgleich, Belichtung, Höhen, Tiefen, ...)