29.05.18 - Burlington, CO > Shamrock, TX (525 Meilen)

Zum Ende der Tour dreht das Wetter noch mal richtig auf.

Da wir uns nicht zwischen 2 Zielgebieten entscheiden können, nehmen wir gleich beide mit. Sind zwar paar Meilen mehr, aber wenn wir schon mal hier sind...



Es hat quasi die ganze Nacht durchweg gewittert, zum Glück ohne weiteren Hagel. Am Vormittag ziehen die letzten Zellen nach Osten ab und hinterlassen kühle Luft.

Daher verlagern wir uns nach NW-Oklahoma, wo die Warmluft noch unagetastet ist und eine Outflowboundary der nächtlichen Gewitter liegt.

Wir warten an einer Stelle, wo immer mal wieder Auslöseversuche passieren. Nach einer gefühlten Ewigkeit hatte es dann eine Entwicklung zur Superzelle geschafft.

Die Zelle stand in der Strömung fest, also konnten wir bequem einen Platz mit gutem Kontrast suchen... na das sah doch schon mal nett aus:


Der Rückseitig Abwind schlug von Nordwest her ein Loch in die Aufwindbasis...

Das beschleunigte die Aufwärtsbewegung der Warmluft rapide...

Allerdings kam die Zelle dadurch auch näher... Gleichzeitig entstanden im Umfeld zahlreiche neue Zellen...

Wir verlassen darum unseren Beobachtungsort auf einem einsamen Feldweg und finden uns plötzlich im Chaserstau. Immer wieder verblüffend so ein spontaner Flashmob in weiter Prärie...

Solche Massenaufläufe meiden wir, so gut es geht und im schlimmsten Fall lassen wir das Gewitter darum auch liegen. Abgesehen von Gemütlichkeits-Faktor hat das vor allem praktische Gründe: Ab einer bestimmten Menge Personen sind immer paar dabei, die sich gern mal vor die laufende Kamera stellen, ist uns erst vorgestern wieder passiert. Dieser Chasertyp wird meist gleich in Bussen angeliefert. Dann ist da die erhöhte Unfallgefahr, weil alle (und da nehmen wir uns nicht aus) mit Wolkenkucken beschäftigt sind... Oder eben das simple Stauproblem, was die Fluchtoptionen im Ernstfall blockiert.

Daher brechen wir die Jagd hier ab und gehen über zu Plan B, nämlich paar einzelne Zellen im östlichen Texas Panhandel.

Auf dem Weg dahin finden wir diesen Kollegen, den man selten sieht, aber öfters erschnuppert. Fotosessions werden nur mit Teleobjektiv empfohlen ;-)


Da unten liefen paar Zellen immer wieder vom selben Ort los, die teils auf Baseball-Hagel bewarnt waren... Beim Reinschwenken kamen langsam Strukturen zum Vorschein:

Etwas weiter dann das, mittlerweile Tornadobewarnt:

Independence Day lässt grüßen...

Erinnerte an die Leoti-Zelle von 2016. Heut war aber Eile angebracht, um nicht schon wieder in den Hagel zu kommen.

Dadurch waren Fotos nicht ganz so detaillreich gelungen, wie gehofft - trotzdem Wahnsinn...

Die Zelle war bereits am Auflösen, man sieht das schön an der immer flacher werdenden Wolkenbasis...

Aber nur, um Platz für die nächsten Aufwinde zu machen:

Überall gingen in unglaublicher Geschwindigkeit neue Türme hoch, hier eine Meso direkt über uns. Die entstand in nur paar Minuten und war eine viertel Stunde später bereits vor 8cm Hagel bewarnt. Sogar mit Funnel am Nordwestrand.

Man wusste gar nicht, wo man hinschauen soll...

Blick zurück - die Outflowboundary der alten Zelle riss die Luft nur so in die Höhe.

Schön schön...

Dann hieß es in einer Waschanlage Hagel aussitzen und ein Motel finden, das Strom hatte.

Ein absoluter Highlight-Tag mit ganz hoher 4er Wertung.